Ein „vergessenes Kind“ entwickelt eine Überlebenslogik der völligen Autonomie. Es betet nicht mehr, weil beten nichts verändert hat. Es entwickelt einen tiefen Zynismus oder eine lähmende Apathie. Der Theologe Jürgen Moltmann, der selbst im KZ war, schrieb: „Gott weint in der Hölle der Vergessenen mit.“ Aber für das Kind, das gerade verhungert oder missbraucht wird, ist ein weinender Gott kein Trost – er ist ein stiller Zeuge des Grauens. Genau das ist das Skandalon: Die Stille Gottes angesichts unschuldigen Leidens. Der Begriff „Gottes vergessene Kinder“ ist in den letzten 20 Jahren zu einem Kampfbegriff und einem Aufruf für christliche Hilfsorganisationen geworden. Projekte wie World Vision , Compassion International oder Miseraeor nutzen diesen Begriff bewusst, um Spenden zu generieren. Aber dahinter steckt eine echte theologische Arbeit. Die Mission der Inkarnation Die einflussreichste Antwort auf das Problem der vergessenen Kinder ist die inkarnatorische Theologie: Gott selbst wurde in Jesus Christus zu einem schutzlosen Kind. Er lag in einer Futterkrippe, war Flüchtling in Ägypten und starb am Kreuz als politisch Vergessener. Das Christentum behauptet nicht, dass Gott Kinder vergisst. Es behauptet, dass Gott mit den vergessenen Kindern im Dreck liegt.
Der Begriff „Gottes vergessene Kinder“ evoziert ein tiefes, emotionales Echo. Er klingt nach Verlassenheit, nach Stille, wo Trost erwartet wird, und nach einer Abwesenheit des Göttlichen in den dunkelsten Winkeln der Welt. Doch ist es ein Zustand, den Gott zulässt – oder ein Vorwurf, den die Menschheit gegen sich selbst erheben muss? Dieser Artikel taucht tief in die Bedeutung, die Ursprünge und die reale Existenz derer ein, die man gemeinhin als „Gottes vergessene Kinder“ bezeichnet. Im Kern der abrahamitischen Religionen steht das Bild des Hirten, der keines seiner Schafe zurücklässt. In Jesaja 49,15 heißt es: „Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, dass sie sich nicht erbarmt über den Sohn ihres Leibes? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde, so vergesse ich dich dennoch nicht.“ Diese Verheißung ist fundamental. Die Vorstellung von „vergessenen Kindern“ ist daher theologisch betrachtet eine Unmöglichkeit – es sei denn, wir interpretieren den Begriff anders. Gottes Vergessene Kinder
Von unserer Redaktion